Info
Sexualität gilt als ein zentraler Aspekt menschlichen Lebens. Menschen mit Behinderungen sehen sich jedoch oft mit gesellschaftlichen Vorstellungen konfrontiert, die sie aus dem Bereich des Sexuellen ausgrenzen: Ihre sexuellen Bedürfnisse werden ignoriert oder ihre Fähigkeit zu selbstbestimmter Sexualität infrage gestellt. Hierauf reagieren sozialpädagogische Programme der sexuellen Bildung, Beratung und Begleitung, die Inklusion und Selbstbestimmung fördern wollen, indem sie Menschen mit Behinderungen gezielt sexuell „empowern“: etwa durch Wissensvermittlung und die Stärkung individueller Handlungsmöglichkeiten.
Tobias Boll, Soziologe an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, stellt in diesem Vortrag Ergebnisse eines Forschungsprojekts vor, das sich mit diesen Programmen und ihren Wirkungen beschäftigt. An Beispielen aus der Forschung wird gezeigt, wie der Zusammenhang von Sexualität und Behinderung in der Praxis bearbeitet wird. Dabei wird auch deutlich: Zwischen der Stärkung von Selbstbestimmung und der ungewollten Festschreibung von Unterschieden entsteht ein Spannungsfeld.